Bildfähig!

Über die Bilder der zeitgenössischen Kultur

Start der Serie: Mentalitäten der Kulturkritik!

Daniel Hornuff und Simon Bieling · 6.11.2008 · Noch keine Kommentare · Bildfähigkeit, Bildtheorien

Die Sorge, ein ´ästhetischer Schein´ manipuliere das Individuum, um es zu entfremden – darin wurzelt eine der stabilsten Geisteshaltungen der Kulturgeschichte. Noch heute führt sie zu manchen Fehleinschätzungen, insbesondere Phänomene der Gegenwart geraten damit in den Fokus einer häufig ängstlich gestimmten Mentalität. Es fällt auf, dass sich einzelne Formen der Kulturkritik oft genug ihrer eigenen Geistes- und Begriffsgeschichte nicht bewusst sind und diese folglich unkritisch wiederholen. Etwa verkündete schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Schweizer Theologe Gotthard Heidegger, er lese keine Romane – schlicht Lüge und Zerstreuung widerfahre ihm beim Blick zwischen die Buchdeckel. Günther Anders sicherte gut 400 Jahre später zu, kein Fernsehen zu schauen. Keinesfalls sollte man ihn zum Gussabdruck einer medialen Doktrin formatieren können. Ja bereits Platon wollte von Dichtern und Malern im Idealstaat nichts wissen – immerhin arbeiteten sie nach den Gesetzen der Willkür und verfolgten damit bloße Realitätsverfälschung.

Bildfähig! widmet in nächster Zeit jeweils zwei Posts pro Woche sorgfältigen Analysen kulturkritischer Argumente, die gegenwartsdiagnostische Einsichtnahmen postulieren.

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