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Christoph Ahlhaus ist ein ehrgeiziger Mann. Einmal etwas entschieden, schaffen´s wohl nur wenige, ihn vom eingeschlagenen Weg abzubringen. Sturheit wird sich der hochgediente Jurist nicht vorwerfen lassen. Aber Konsequenz und Verlässlichkeit, ja, das klinge schon eher nach seinem Motto. Schließlich sei er CDU-Innensenator von Hamburg und damit nicht irgendwer. Folglich vertrete er ein Amt, dessen Integrität in den letzten Jahren medienwirksam leiden musste. Erst der Dauerparty-Schill von ganz rechts außen, dann auch noch dessen parteiloser Zögling Udo Nagel – nun heißt´s also wieder Kontinuität, Werte, politisches Urvertrauen reinbringen! Und was schließlich für Hamburg gut ist, kann für Deutschland nur recht sein.
Wie musste ihm da die Nachricht vom Süden sein frühmorgendliches Frühstücksei versalzen haben! „Christian Klar – Entlassung zum Jahresbeginn 2009?“. So kann´s ja wohl nicht gehen, polterte der an seiner Berufsehre Berührte der Schlagzeile entgegen und verfasste flugs ein flammendes Plädoyer. Es sollte die Verteidigungsschrift einer Republik werden, die erneut in Bedrohung gerät. Diesmal weniger durch Anschläge und Ermordung Einzelner als vielmehr durch die Verführung der Masse. Und wenn er schon nicht die – „aus rein formalen Gründen“ zu Stande gekommene – Entlassung verhindern könne, so dann doch wenigstens deren Folgen: „Die Vorstellung, dass Herr Klar in Kürze gegen hohes Honorar durch Deutschlands Talkshows tingelt, finde ich abscheulich“ (hier).
Tatsächlich veröffentlichte die Bundestagsfraktion wenig später eine offizielle Erklärung: Keine öffentliche Bühne für Terrorist Klar. Die Partei bekundet ihre Angst vor einem Bild und seiner möglichen Vergötzung. Was die monotheistischen Religionen einst predigten, um den polytheistischen Bildgebrauch und seine Huldigungen einzuschränken, wiederholt sich im Anliegen der CDU-Fraktion. Es greift die Sorge, das eine Bild könnte ins Wanken gebracht und durch eine mediale Vielfalt aufgefächert, ja damit seinem Schrecken entkleidet werden.
Vielleicht wirkt aber auch die Befürchtung vor einer Anthropomorphisierung. Immerhin könnte Christian Klar nach 26 Jahren Knast plötzlich nett sein. Vielleicht ein Witzchen erzählen und dem Moderator lustig in die Rippen knuffen. Seine Bildwerdung als Menschwerdung, die zur besten Sendezeit aus dem Fernsehgerät grinst. Auch das schwäche den Schrecken. Wer ein Gesicht trägt, kann mit personaler Referenz rechnen, der allerdings grundsätzlich zu misstrauen ist. Denn nach Dafürhalten der Bundestags-Union verführe das Bild und verschleiere das Wahre, suggeriere Wohlgefallen und liefere doch nichts weiter als Schein. Überraschend oft warfen in den letzten Jahren ehrenhaft gestimmte Moderatoren geladene Gäste samt deren Thesen nicht nur aus Fernsehstudios, sondern eben auch aus ihrem Bild. Ob allerdings Christian Klar – wenn´s im Talk mal hart auf hart käme – so bereitwillig von der „öffentlichen Bühne“ abträte wie einst Eva Herman? Immerhin versprach ihm Claus Peymann ein Praktikum als Bühnenhelfer am Berliner Ensemble. Dort wiederum ist man sich bereits einig, dass Klar erst mal „die Fresse halten soll“ (hier). Allerdings sieht er dann, wie Theater und somit Verstellung professionell gemacht wird. Kann das beruhigen?
Christian Klar gab jedoch bereits bekannt, dass er überhaupt keine Lust habe, in den Medien aufzutreten (hier). Ob Christoph Ahlhaus versucht sein wird, darin einen protestantistischen Gotteskult zu entdecken? Schließlich verkündet hier per Anwaltsschreiben einer, dass er keinesfalls abgebildet werden wolle.
Bildquelle: blogs.taz.de, siehe hier.
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