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Kurz nachdem der König gestorben war, brachen die Server zusammen. Twitter und TMZ verstummten kurzzeitig, zu Wikipedia war minutenlang kein Zugang zu bahnen, und die Blogs vieler Klatschkolumnisten mussten wegen Überfüllung schließen. So lebendig wie an seinem Todestag hatte man Michael Jackson seit knapp 20 Jahren nicht mehr erlebt: Ein größeres Comeback wäre auch mit 50 letzten Konzerten und Millionen verkauften Tickets nicht zu realisieren gewesen. Dass es nur von kurzer Dauer sein wird, tut dem posthumen Erfolg keinen Abbruch.
Erst mit seinem Ableben wurde Michael Jackson in ein Medium gestoßen, dessen Entwicklung er schlicht verschlafen hatte. Denn spätestens seit Mitte der neunziger Jahre zehrte er lediglich noch von seiner analog erarbeiteten Aura. Den Schritt ins Digitale ging er nicht mit. Als passionierter Autoplast glaubte er zeitlebens an seinen Originalstatus. Gleichsam war er der meist imitierte, gedoubelte, kopierte und parodierte Popstar. Das Potenzial fürs Web 2.0 war also durchaus vorhanden – doch die Angst vor einem möglichen Kontrollverlust im weltweiten Datennetz ließ ihn ins Niemandsland abtauchen. Sein beherzter Griff ins Gemächt war einzig darauf angelegt, mit spontanem Kreischen orchestriert und damit als royaler Griff zum Zepter überhöht zu werden. Auf YouTube hätte man da schon ernsthafte Sorgen haben müssen, abermals wegen Sittenwidrigkeit gemeldet und schließlich aus der Playlist gestrichen zu werden.
Mit Jacksons Tod lebt nochmals für geballte Momente eine Popkultur auf, die sich auf einer inhärenten und stabilen Hierarchiestruktur gründete. Zu Jackson schaute man noch empor. Britney Spears könnte hingegen die beste Freundin sein. Den Moonwalk versuchte man nachzutanzen. Eine zerrüttete Ehe mit Streit ums Sorgerecht kommt dagegen aus dem weltlichen Alltag.
2001 traten beide gemeinsam auf. Der im Fazialen meißelnde Skulpteur versuchte nochmal alles, um mithalten zu können. Doch das stets unschuldige Mädchen des digitalen Zeitalters schien ihren uneinholbaren Gewinnvorsprung längst begriffen zu haben: Von links nach rechts und wieder zurück kokettierte sie an der Bühnenrampe entlang, gefolgt von einem Gestrigen, der den Lüsternen mimte und den Moonwalk verstolperte. Definitiver und unerbittlicher wurde selten eine derart glanzreiche Karriere durch eine neue Epoche beendet.
Es ist zu vermuten, dass die momentane Huldigung des verstorbenen Popsängers ein kurzes Sperrfeuer der Analogen bleiben wird. Zwar mobilisieren sie die digitalen Möglichkeiten bis zur zeitweiligen Überforderung, um eine vordigitale Ikone zu vergegenwärtigen – doch alleine die Wahl des Mediums wird die Erinnerungspostulate durch den Aktualitätswunsch der Web-2.0-Kultur verblassen lassen: Es ist die Zeit der Amateurästheten, denen die bloße Herrlichkeit eines Vorbilds längst nicht mehr genügt.
Bildquelle 1: aus “Has Britney Spears turned to Michael Jackson for advice?”, siehe hier.
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