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„17837 Leute finden die SPD gut“. Zudem ist die SPD auf 89 Fotos verlinkt und besitzt überdies drei eigene Fotoalben – wer lustig drauf ist, kann die SPD gruscheln oder ihr eine exklusive Freundschaftseinladung zukommen lassen.
Es muss überraschen, in welcher Weise die Sozialdemokraten im Zuge des Bundestagswahlkampfs ein StudiVZ-Profil angelegt haben. Zwar bleiben die gängigen – auf Kontaktaufnahme und rasche Kommunikation angelegten – Funktionen erhalten; doch wo die studierenden Amateurästheten gemeinhin ihre faziale Fassade und damit ein Persönlichkeitspostulat zur Freundschafts- und Gruschelwahl anbieten, platziert die Bundestagsfraktion schnörkellos ihren Wahlkampfslogan „Anpacken. Für unser Land“. Präsentiert wird der allgemeine – abstrakte – Körper eines Programms, nicht aber die speziellen – konkreten – Körper, die ihn repräsentieren sollen. Wer über eine Entpersönlichung und Entindividualisierung der politischen Praxis klagt, wird diesen Eindruck beim SPD-social-networking widergespiegelt finden.
Seine Einwände dürften sich verstärken, wenn er sich durch die angehängten Freundschaftsbündnisse klickt. Dort zeigen sich zu hunderten sozialdemokratische Kreis- und Kommunalvertreter, umrandet und eingefasst vom Corporate Design des Wahlkampfs. Die individuellen Körper – im Format des Porträts der Bildtradition nach eigentlich Voten für Einzigartigkeit und Besonderheit – werden so einem übergeordneten Prinzip unterworfen und folglich ihrer Unverwechselbarkeit beraubt. Die überdies exakte Einhaltung des immergleichen Anschnitts und des stets wiederholten Passfotocharmes erinnern nicht nur an die traditionellen, gänzlich faden und damit differenznivellierenden Plakatkampagnen, sondern in ihrer direkten Zusammenschau vor allem an Täter- oder Familiengalerien zur Jahrhundertwende: Für sie hatte sich der Einzelne einzig zugunsten des großen Ganzen ins Bild zu begeben. Der sozialdemokratische StudiVZ-Auftritt offenbart nachdrücklich, wie ein professionelles Agieren auf amateurzentrierten Medienangeboten an den speziellen ästhetischen Herausforderungen vorbeiinszeniert werden kann. Folglich wirkt er unreflektiert, überzeugungsschwach und kann wegen des ausbleibenden Nachdrücklichkeitsgewinns den Schritt ins Web2.0 wohl nicht rechtfertigen.
Ein Blick in den SPD-YouTube-Kanal „Wahlkampf 09“ erhärtet den Verdacht, dass man im sozialdemokratischen Lager auf eine Überwindung der Privatkultur mit den Mitteln einer tradierten Medienästhetik setzt. Das Eröffnungsvideo – gesendet im „Kanzlerformat“ – startet mit Applaus der SPD-Delegierten. Offenbar gibt man aus der Basis einen fröhlichen Vertrauensvorschuss – Kandidat Steinmeier lässt sich nicht lumpen und poltert artig für den Wandel und gegen den Gegner. Dafür gab´s allerdings nur magere drei von fünf möglichen Sternchen bei enttäuschenden 9000 Klicks. Steinmeier erscheint dennoch unbeirrt als Kapitän eines alten roten Schlachtschiffs auf stürmischer Wahlkampfsee: Tatsächlich werden wie einst bei Eisensteins „Potemkin“ in regelmäßigen Abständen die Botschaft zertifizierende Referenzpersonen - Stimmen des eigenen Volks - zwischengeschnitten: Wo der russische Revolutionär im erhitzten Klassenkampf Fäuste ballen, Augäpfel rollen und Bizeps hüpfen ließ, findet man heute den Steinmeier im Nahgefecht gegen die Merkel „einfach nur klasse“. Abermals soll eine „Montage der Attraktionen“ das Ruder rumreißen und das Programm in den mehrheitsfähigen Hafen steuern. Dass dabei allerdings – und lediglich – die klassische Fernseh- und Reportageästhetik adaptiert und mit einigen Agitationshäppchen angereichert wurde, lässt abermals Zweifel an der Durchsetzungskraft des sozialdemokratischen Web2.0-Auftritts aufkommen.
Videoquelle: “Kanzlerformat” aus dem SPD-YouTUbe-Kanal, siehe hier.
1 Kommentar↓
1 Stefan // 31.08.2009 um 00:03
Man hat ein wenig den Eindruck, als wüssten die häufig benannten “Genossinnen und Genossen” von einem Geheimplan, einer ausgemachten Sache, die mir schleierhaft bleibt. Die propagierte Geschlossenheit schließt mich wiederum als Zuschauer aus. Wirkt eigentlich gar nicht so, als bräuchten die meine Unterstützung…
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